KREIS NEUWIED. "Bohlen, nein danke!". Auf diese kurze Formel lässt sich das Ergebnis einer RZ-Umfrage unter jugendlichen Chormitgliedern bringen. Viele der jungen Sängerinnen und Sänger, die in den Ensembles des Kreises dank hervorragend ausgebildeter (Kirchen-)Musiker eine intensive Ausbildung erfahren, stehen den von einem Millionenpublikum verfolgten Castings-Shows wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Star Search" ablehnend gegenüber.
Nur eine junge Sängerin lobt das Format als "gute Sache". Der Rest will seine Stimme, sein "Instrument, das er immer dabei hat", nicht vor den Bohlens und "Bär" Läskers dieser Welt erheben.
"Da geht es weniger ums Talent, als vielmehr um die Show", meint beispielsweise der 17-jährige Florian, dessen größtes Hobby seit Kindesbeinen das Singen ist. Obwohl er eine Stimme hat, die den von Kreiskantor Thomas Schmidt geleiteten Jugendchor "Vivace" trägt, würde er nicht im TV auftreten. "Diese Sendungen sind für mich kein Maßstab", meint er. "Dafür muss man nicht unbedingt singen können, es geht nur um den Show-Effekt."
Eine Meinung, die auch die 17-jährige Teresa teilt: "In den Casting-Shows treten viele schräge Sänger und Sängerinnen auf. Mir ist das zu niveaulos." Egal ob Jenny (12), Ulrike (13) oder Lisa (13): Die Kritik an dem Format, das meist in Tränen aufgelöste Jugendliche präsentiert, ist ungeteilt. Es gehe dabei nur ums Verkaufen, die Shows seien eine "Plattform für Witzfiguren" und zudem erniedrigten die Jurys die Teilnehmer zu häufig.
Eine, die immerhin eigene Erfahrungen mit einer Jury gemacht hat, ist die 17-jährige Carina - und die waren nicht die besten. Freunde hatten sie bei "Star Search" angemeldet. Carinas Erlebnisse bei der Starsuche waren eher negativer Art. "Das hat auf mich keinen professionellen Eindruck gemacht. Der größte Teil der Jury schlief schon fast, als ich gesungen habe. Außerdem haben die Juroren sowieso nur auf das Äußere geachtet. Und ich war ihnen deutlich zu brav", berichtet die Gymnasiastin. Traurig über ihr Ausscheiden sei sie nicht gewesen.
Annalena ist sich indes nicht ganz so sicher, ob sie später nicht doch einmal im Rampenlicht stehen möchte. Doch die elfjährige Realschülerin ist (zu) selbstkritisch: "Wenn meine Stimme ausgereift ist, würde ich mich schon einmal bewerben wollen. Aber, ob ich mit meinem Äußeren da hin passe?"
Eine, die sich ebenfalls kritisch mit dem langen Prozedere des Castings auseinandersetzt, ist die 18-jährige Birte. "Hinter jedem Erfolg steckt harte Arbeit", ist sich die Schülerin vom Werner-Heisenberg-Gymnasium sicher. "In den Shows werden die Teilnehmer sechs Monate lang hochgepuscht, um einen Hit zu haben. Sie sind reine Marketingobjekte, aus denen langfristig nichts wird. Man muss seinen eigenen Weg gehen." Frank Blum
Rhein-Zeitung Neuwied, 8. Mai 2008