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Konfirmation 2007

Konfirmanden 2007

Am 29. April 2007 wurden in der Marktkirche konfirmiert:
Christian Au, Sophie Corea, Melissa Erdmann, Glenn Franke, Benjamin Iking,
Lilia Krenzler, Eduard Kuksa, Peter Lenz, Jessica Pliester, Vanessa Schilling,
Lisa-Kristin Schmidt, Jaqueline Schultheiß, Melanie Schulz, Maximilian Söhn,
Lidia Telwa, Martin Zupp

Predigt zur Konfirmation zu 1. Mose 32, 23-30
am 29. April 2007, Marktkirche Neuwied
 
Liebe Konfirmandinnen und
liebe Konfirmanden

Erinnert ihr euch noch an Eure Bilder, die ihr hergestellt habt auf der Anfangsfreizeit vor knapp zwei Jahren? Es war unser erstes gemeinsames Wochenende, an dem wir euch und ihr euch untereinander kennen lernen solltet.
Einige dieser Bilder habe ich heute zu eurem Konfirmationsgottesdienst mitgebracht. Sie haben uns übrigens die ganze Konfirmandenzeit begleitet und hingen als Bilderfries in unserem Konfirmandenraum. Die Aufgabenstellung zu den Bildern war damals, dass ihr euren Lebensweg malen solltet, Stationen aus eurem Leben, die euch im Bewusstsein sind, von der Kindheit bis zur Jetztzeit. In Bildern und Symbolen habt ihr dies versucht, Stationen eures Lebens festgehalten, so gut es eure künstlerischen Fähigkeiten zu ließen.
Einige hielten in Symbolen das Ende der Kindergartenzeit oder den ersten Schultag fest, den Tod eines Familienmitgliedes, einen Umzug und so manches mehr..
Und jetzt nach fast zwei Jahren kämen sicherlich schon wieder neue und andere Stationen auf diesem Weg dazu, und ich denke, auch der heutige Tag der Konfirmation wäre so eine Station, die einen Platz auf dem Lebensweg einnehmen würde.
Wie wird es weitergehen auf eurem Lebensweg, werdet ihr euch vielleicht fragen und vielleicht fragen sich das auch eure Eltern am heutigen Tag, bisweilen wohl auch schon einmal mit einem sorgenvollen Blick in die Zukunft. Wie wird es weitergehen? Was würdet ihr in 2 oder 5 oder gar in 10 Jahren an weiteren Stationen auf diesem Weg eintragen können. Vielleicht den Schulabschluss, den Antritt einer ersten Arbeitsstelle oder schon den Hochzeitstermin. Wer weiß es? Und sicherlich bei jedem von euch wird dieser Weg sehr unterschiedlich aussehen.
"Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum," so haben wir es eben in unserem Psalm gebetet.
Manch einer möchte gerne glauben, dass uns unser Leben vorherbestimmt ist. Das wir gelenkt und geleitet werden von Sternen, die unsere Schritte lenken. Andere wiederum sind davon überzeugt, dass unser Weg in unseren Genen vorgezeichnet ist und dass nichts zufällig oder freiwillig geschieht..
Ich glaube auch, dass unser Leben kein Zufall ist, ich glaube aber noch mehr, dass Gott dahinter steckt. Dass er mir Raum und Zeit gibt zur Gestaltung meines Lebensweges in eigener Freiheit und Verantwortung.
"Du stellst meine Füße auf weiten Raum."
Natürlich wissen wir alle, dass wir auf unserem Lebensweg nicht dauerhaft in die Weite geführt oder vor Schmerzen und Enttäuschungen bewahrt werden. Zwar wünschen wir uns das immer alle und ich denke sie als Eltern, Großeltern und Paten, sie wünschen sich das heute insbesondere für die jungen Menschen hier vorne. Doch wir alle wissen, es wird enge Schluchten im Leben geben und auch Verletzungen werden nicht ausbleiben. So schwingt für uns alle an diesem Tag sicherlich der Wunsch mit, dass Gott unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden vor aller Enge schütze und er ihre Füße auf Wege lenke, die sie aus den engen Schluchten wieder herausführen.
Und wenn wir nachher für einen jeden einzelnen von euch Gottes Segen erbitten, dann verbindet sich damit der Wunsch nach einem Leben das geprägt ist von Gottes Segen und dieser Segen möge gerade dann Kraft gewinnen, wenn euer Weg durch dürres und unwegsames Gelände führen wird.
An einer außergewöhnlichen Geschichte aus dem alten Testament wird besonders deutlich, was es bedeutet von Gott gesegnet zu sein. Ich lese uns die Verse aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 32, Verse 23-30:
 
23 Mitten in der Nacht stand Jakob auf und nahm seine beiden Frauen und die beiden Nebenfrauen und seine elf Söhne und brachte sie an einer seichten Stelle über den Jabbok; 24 auch alle seine Herden brachte er über den Fluss. 25 Nur er allein blieb zurück. Da trat ihm ein Mann entgegen und rang mit ihm bis zum Morgengrauen. 26 Als der andere sah, dass sich Jakob nicht niederringen ließ, gab er ihm einen Schlag auf das Hüftgelenk, sodass es sich ausrenkte. 27 Dann sagte er zu Jakob: »Lass mich los; es wird schon Tag!« Aber Jakob erwiderte: »Ich lasse dich nicht los, bevor du mich segnest!« 28 »Wie heißt du?«, fragte der andere, und als Jakob seinen Namen nannte, 29 sagte er: »Du sollst von nun an nicht mehr Jakob heißen, du sollst Israel heißen! Denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gesiegt.«2 30 Jakob bat ihn: »Sag mir doch deinen Namen!« Aber er sagte nur: »Warum fragst du?«, und segnete ihn.
 
Obwohl Jakob gesegnet ist, führen ihn doch seine Füße über merkwürdige und verschlungene Wege. Eigentlich steht Jakob von Beginn an unter dem Segen Gottes und doch versucht er, sich diesen Segen auf eigensinnige Weise zu erstreiten.
Schon von der Geburt wird berichtet, dass die Zwillingsbrüder Jakob und Esau im Mutterleib konkurrieren So hält Jakob bei der Geburt den Fuß seines Bruders fest Ein Bild dafür, dass er den Bruder daran hindern will, vor ihm geboren zu werden.
Zwar liegt auf Jakob die Verheißung, die Gott seiner Mutter Rebekka gibt, dass der ältere Bruder dem Jüngeren dienen soll. Trotz allem aber will sich Jakob auf diese Verheißung nicht verlassen. Und so unternimmt er zweimal eigene Schritte, um den Makel der späteren Geburt zu überwinden. Als Esau eines Abends müde von der Jagd nach Hause kommt und ihn seine Füße kaum noch tragen und er sich nach Stärkung sehnt, da verkauft ihm Jakob hinterlistig ein schon fertig bereitetes Linsengericht, um damit das Erstgeburtsrecht seines Bruders zu erhalten
Und als ihr Vater Isaak im hoch betagten Alter und schon beinahe erblindet seinen Segen an den Erstgeborenen weitergeben will, da erschleicht sich Jakob ein zweites Mal mit Betrug und unrechtmäßig, was ihm nicht zusteht. Er schlüpft in die Rolle des älteren Bruders, tritt wie dieser auf und täuscht den altersschwachen Isaak, um so dessen Segen zu empfangen.
Doch der Betrug fliegt auf . Esau merkt, dass er um den Segen des Erstgeborenen gebracht wurde. So muss Jakob fliehen und seine Füße regelrecht in die Hände nehmen, um der Rache des Bruders zu entgehen. Ein schwerer Weg in die Fremde, aber auch eine wichtige Erfahrung durch die Jakob gesegnet wird. Als er nach 14 Jahren wieder in die Heimat zurückkehrt, kommt es unmittelbar vor dem Wiedersehen mit seinem Bruder Esau zu dieser seltsamen Begegnung, von der wir eben im Bibeltext gehört haben. Beim Überqueren eines Flusses stellt sich Jakob eine geheimnisvolle Gestalt entgegen, die ihn daran hindert auf die andere Seite zu kommen. Vielleicht war es ein Engel, der sich ihm in den Weg stellt und der ihn bewahren wollte, damit er sich nicht den Fuß verletze. Denn Engel sind nicht nur liebevolle Begleiter. Sie können auch den Gang der Füße unterbrechen oder einen Umweg erzwingen. Doch Jakob will sich nicht daran hindern lassen, seinen Weg zu gehen und zugleich spürt er die Segenskraft, die von dem Gegenüber ausgeht. Als dieser sich zurückziehen will, spricht Jakob "Ich lasse dich nicht vorher los, bevor du mich segnest." Wieder versucht Jakob sich den göttlichen Segen  mit Gewalt zu holen, so wie er es schon mit dem Erstgeburtssegen getan hatte. Doch während des Ringens merkt Jakob, dass er sich den göttlichen Segen nicht erstreiten kann, sondern sich ihn nur schenken lassen kann.
Während des Kampfes verletzt sich Jakob und wird von nun an auf seiner linken Seite hinken. Fußlahm wie er nun ist, kann er sich keinen Segen mehr erstreiten und empfängt ihn schließlich doch.
Jakob erfährt so, dass Segen immer nur geschenkt werden kann, nicht erstritten und schon gar nicht durch Betrug erzwungen. Und so wird er aus seiner inneren Enge in die Weite geführt.
Als von Gott Gesegneter kann er nun den Weg durch den Fluss gehen, kann die Hindernisse, die sich seinem Leben in den Weg stellen, überwinden und schließlich seinen Fuß auf heimatliches Land setzen.
"Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum", das erfährt Jakob. Wer gesegnet ist wie Jakob, der wird gestärkt für den Weg, der vor ihm liegt. Wer gesegnet ist, weiß das Gott sein Begleiter auf dem Weg in die Zukunft ist und kann sich dem dann letztendlich anvertrauen.
Segen aber ist ein Geschenk. Ich weiß, dass ihr alle heute zu diesem Tag der Konfirmation eine Menge anderer Geschenke erhaltet bis dahin ihr euch schon ausgerechnet habt, was ihr euch von dem Geld leisten könnt, das heute in so manchem Briefumschlag steckt. Das Geschenk, von dem heute morgen die Rede ist, hat einen anderen Wert. Und vor allem es hat kein Verfallsdatum. Die Computer und elektronischen Geräte, die ihr euch vielleicht kaufen werdet, werden nach ein oder zwei Jahren schon wieder veraltet sein Der Segen Gottes wird nicht veralten, er wird alle Tage eures Lebens gelten ob jetzt, wenn ihr jung seid oder im Alter.
Wir feiern heute als Gemeinde mit Euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass ihr in diesem Glauben aufgewachsen und in ihn hineingewachsen seid.
Konfirmation heißt Befestigung im Glauben. Befestigen meint aber nicht festnageln, es meint vielmehr, dass ihr stark gemacht worden seid durch den eigenen Standpunkt. Das heißt, ihr könnt auf eigenen Füßen stehen. ihr könnt eigene Schritte gehen und mit beiden Füßen fest auf dem Boden und im Leben stehen. Auf diesem Weg wünschen wir euch Gottes Segen.
Ein Segen; der mit geht; der nicht erzwungen werden muss sondern der geschenkt wird, der ein Leben hält und für den ihr nur die Bereitschaft mitbringen müsst, ihm auch zu vertrauen. Das wünschen wir euch und es segne euch Gott. Amen.
                                                                                                                                                                 Pfr. Werner Zupp
(es gilt das gesprochene Wort)