Die Leidensgeschichte Jesu macht sicherlich viele Menschen traurig. Sie kann einen aber auch ärgerlich und wütend machen. Wie kann man einen guten Menschen wie Jesus so gemein umbringen
Aber es gibt auch noch eine andere Wut. Die Wut auf Jesus. Alle um ihn herum werden schuldig, einer nach dem anderen, nur er nicht. Im Gegenteil: Er bleibt sanftmütig und liebt und liebt.... Er liebt, die ihn schlagen, verraten verspotten und schließlich umbringen. Das erinnert an Menschen, die mit ihrer Sanftmut und Güte andere zur Weißglut treiben können, weil sie irgendwie unerreichbar sind.
Befreiend ist da die Entdeckung: Der Sanftmütige mit den großen blauen Augen ist eine Erfindung, die sich irgendwann in die christliche Tradition eingeschlichen hat.
Die Bibel erzählt etwas ganz anderes von der Liebe Jesu. Sie kann sich sehr wohl in Zorn, Ärger und sogar Wut ausdrücken. Gottes Liebe, der wir begegnen ist nicht lieb. Sie ist leidenschaftlich und wahrhaftig.
Die Passionsgeschichte und andere Erzählungen der Bibel geben Zeugnis davon, dass Gott Wut und Ärger zulässt, damit wir auf diese Weise mit unserer Ohnmacht fertig werden.
Die biblischen Texte, die in diesem Jahr im Mittelpunkt der Passionsandachten stehen, sind genau unter diesen Aspekten ausgewählt. Sie erzählen von Ärger Wut und Enttäuschung, aber auch gleichzeitig davon, dass Gott immer wieder einen neuen Anfang mit uns macht und von seiner Seite aus die Wut und ihre schlimmsten Folgen nicht das Ende der Beziehung zu ihm sind.